Loden 2026: Grammatur, Walk-Prozess und Bezugsquellen
Vom 280-Gramm-Sommer-Loden bis zum 580-Gramm-Winter-Loden: Welche Grammatur welchen Schnitt verträgt, wie das Voll-Walken zur Filz-Verfestigung führt und wo der Stoff 2026 herkommt.
Loden ist kein einzelner Stoff, sondern eine Stoff-Familie, die sich über die Grammatur und den Walk-Grad ausdifferenziert. Wer eine Trachten-Joppe in Auftrag gibt, entscheidet zuerst über das Gewicht in Gramm pro Quadratmeter, danach über Walk-Grad, Farbe und Webart. Diese Reihenfolge entscheidet darüber, ob die Joppe vierzig Jahre hält oder nach zehn Saisonen ausgemustert wird.
Was Loden vom Tuch unterscheidet
Loden ist ein gewalkter Wollstoff, der durch mechanische und thermische Bearbeitung verfilzt wird, bis die einzelnen Wollfasern eine geschlossene Oberfläche bilden. Im Unterschied zu Tweed oder Walkstoff bleibt beim Loden die ursprüngliche Webstruktur erkennbar, wird aber durch das Walken um 25 bis 35 Prozent verdichtet. Das Resultat ist ein Stoff, der wind- und wasserabweisend ist, ohne mit chemischen Imprägnierungen behandelt zu sein.
Das Ausgangs-Material ist klassischerweise Schurwolle vom Tiroler Bergschaf, vom Steinschaf oder vom Walliser Schwarznasenschaf. Diese Rassen liefern eine Wolle mit höherem Fettgehalt und gröberer Faserstruktur als zum Beispiel Merino, was beim Walken den charakteristischen Loden-Griff ergibt. Die Stapellänge beträgt 8 bis 12 Zentimeter, der Faserdurchmesser 30 bis 38 Mikrometer.
Drei Grammatur-Klassen
Die Loden-Hersteller sortieren ihre Produktion in drei Hauptklassen, an denen sich der gesamte Trachten-Schnitt orientiert.
Sommer-Loden (280 bis 340 g/m²): leicht gewalkt, mit erkennbarer Webart, atmungsaktiv. Verwendung für Übergangs-Joppen, leichte Jacken und Damen-Capes. Der Stoff fällt weich, ist aber noch nicht so dicht, dass er bei Regen vollständig schützt. Ein Quadratmeter wiegt etwa so viel wie eine dicke Wollstrickjacke, mit dem Unterschied, dass Loden die Form behält und nicht durchhängt.
Standard-Loden (380 bis 460 g/m²): voll gewalkt, mit Wasserabweisung nach DIN 53888 (Bundesmann-Test), die klassische Trachten-Joppen-Wahl. Bei diesem Walk-Grad bildet sich die geschlossene Filz-Oberfläche, die Wasser perlen lässt, ohne den Stoff zu durchnässen. Der Bundesmann-Test misst die Wasseraufnahme nach einer Stunde simuliertem Regen: Standard-Loden liegt typisch zwischen 15 und 25 Prozent Wasseraufnahme, was im Vergleich zu ungewalktem Wollstoff (45 bis 60 Prozent) die Schutz-Wirkung verdeutlicht.
Winter-Loden (480 bis 580 g/m²): dicht gewalkt, oft mit zusätzlichem Rauh-Prozess auf der Außenseite. Verwendung für Heimat-Joppen, schwere Mäntel und Joppen für Almtreiber und Jäger. Bei dieser Grammatur wird der Stoff fast brettartig, hängt aber durch das Eigengewicht so, dass er bei Bewegung mitschwingt. Eine Winter-Joppe in Größe 52 wiegt zwischen 1,8 und 2,4 Kilogramm.
| Grammatur | Walk-Grad | Verwendung | Bundesmann-Wasseraufnahme |
|---|---|---|---|
| 280-340 g/m² | leicht | Sommer-Joppe, Cape | 30-40 % |
| 380-460 g/m² | voll | Trachten-Joppe, Janker | 15-25 % |
| 480-580 g/m² | dicht | Heimat-Joppe, Wintermantel | 8-15 % |
Der Walk-Prozess nach Tiroler Verfahren
Das klassische Voll-Walken ist eine Abfolge von Wasser-, Seifen- und Druck-Behandlung, die ursprünglich in den Stampfwalken der Tiroler Täler entwickelt wurde. Der gewebte Wollstoff wird auf seinen Ausgangs-Maßen 130 Prozent länger und breiter zugeschnitten als der spätere Loden, weil der Walk-Prozess den Stoff schrumpft.
Der Ablauf in fünf Stufen:
- Vorwäsche: Der Stoff wird in warmem Wasser mit Schmierseife eingeweicht, etwa 35 bis 40 Grad Celsius, eine Stunde lang. Das Wollfett wird angelöst, die Faser aufgequollen.
- Stampf-Walken: In großen Holz-Trögen wird der nasse Stoff zwei bis vier Stunden lang von Stampf-Hämmern mechanisch bearbeitet. Die Wolle filzt durch die wiederholten Druck-Schläge in Verbindung mit Wärme und Seife. Schrumpf-Faktor in dieser Phase: 15 bis 20 Prozent.
- Zwischenspülung: Klares Wasser löst die Seife aus, danach wird der Stoff kurz getrocknet, um die Faserdichte zu prüfen.
- Nachwalken: Bei Standard- und Winter-Loden folgt eine zweite Stampf-Phase von weiteren ein bis zwei Stunden. Schrumpf-Faktor: zusätzliche 10 bis 15 Prozent.
- Trocknung und Spannrahmen: Der Loden wird auf einen Spannrahmen aufgezogen und über zwei bis drei Tage bei Raumtemperatur getrocknet. Die endgültige Stoff-Breite wird hier festgelegt, üblicherweise 150 cm Loden-Breite ab Rolle.
Das Ergebnis ist eine Filz-Verfestigung, bei der die Wollfasern sich so eng verschlingen, dass eine einzelne Faser nicht mehr aus dem Verbund herausgezogen werden kann. Das ist der Grund, warum Loden nicht ausfranst und an der Schnittkante nicht eingefasst werden muss.
Bezugsquellen DACH 2026
Drei Loden-Manufakturen prägen den deutschsprachigen Markt mit unterschiedlichen Linien.
Loden Frey München ist die Premium-Linie für gehobene Trachten-Schneider. Das Unternehmen führt seit 1842 eigene Walke und bezieht Wolle überwiegend aus Tiroler und Südtiroler Berg-Schäfereien. Preise 2026: ab 89 Euro pro Meter für Standard-Loden, bis 140 Euro für Winter-Loden mit Doppel-Walk. Verarbeitet in den klassischen Münchner Trachten-Häusern und in den Hofschneidereien von Wittelsbacher Familienmitgliedern.
Steiner Loden Geyer ist die oberfränkische Manufaktur mit Sitz in Geyer und Außenstellen in Bayreuth und Coburg. Spezialisierung auf den fränkischen Trachten-Markt mit historischen Farb-Karten (Bamberger Grün, Coburger Anthrazit, Bayreuther Rost). Preise 2026: ab 65 Euro pro Meter für Standard-Loden, bis 105 Euro für besondere Webarten. Die Steiner-Loden sind etwas leichter als Frey-Loden bei gleicher Wasserabweisung, weil die Walk-Methode auf längere, weniger intensive Stampf-Phasen setzt.
Loden-Plankl Wien ist der österreichische Klassiker mit eigener Walke in Niederösterreich. Hier finden sich die alpenländischen Farb-Familien (Salzkammergut-Moos, Tiroler Steingrau, Steirisches Schwarz). Preise 2026: ab 78 Euro pro Meter für Standard-Loden, bis 125 Euro für Winter-Loden. Plankl-Loden hat eine etwas rauere Außenseite als die deutschen Vergleichsprodukte, was bei traditionellen Schnitten erwünscht ist.
Daneben existieren kleinere regionale Walken, etwa die Walk Pfeil in Mittenwald und die Tiroler Loden Schladming, die auf Ausstellungen und in lokalen Trachten-Werkstätten beziehbar sind. Die Preise dieser Klein-Manufakturen liegen 10 bis 20 Prozent unter den großen Linien, die Liefer-Sicherheit ist allerdings nicht ganzjährig gegeben.
Schnitt-Empfehlungen für Trachten-Joppe und Janker
Eine klassische Trachten-Joppe in Standard-Loden 420 g/m² benötigt bei Größe 50 etwa 3,2 Meter Stoff, bei Größe 56 etwa 3,8 Meter. Dazu kommen 60 cm Innenfutter und 40 cm Halsfutter-Stoff, üblich Loden-Köper in der Komplementär-Farbe oder Halbleinen.
- Trachten-Joppe (Heimat-Joppe): Standard-Loden in 380 bis 460 g/m², Knöpf-Reihe vorne mit 5 bis 7 Horn- oder Hirschhorn-Knöpfen, optional silberne Steg-Knöpfe. Saum-Länge bis zur Mitte des Oberschenkels. Schnitt-Aufmaß für Walk-Restschrumpf: nicht nötig, weil der Stoff bereits fertig gewalkt geliefert wird.
- Trachten-Janker: leichtere Variante in Sommer-Loden 280 bis 340 g/m², Saum bis Hüftknochen, häufig mit Reverskragen statt Stehkragen. Verwendung als Übergangs-Jacke, im Frühjahr und Herbst als Vereins-Janker.
- Heimat-Mantel: Winter-Loden 480 bis 580 g/m², bodenlang oder bis Mitte Wade, mit Capezipfel oder klassischem Stehkragen mit Silberschnalle. Stoff-Bedarf 4,5 bis 5,5 Meter.
Die Naht-Führung beim Loden ist eine eigene Disziplin. Loden wird nicht gefüttert genäht wie ein Wollstoff, sondern mit aufgesetzten Kapp-Nähten gearbeitet, die als Konstruktions-Element sichtbar bleiben. Die Stich-Länge beträgt 3 bis 3,5 mm, das Garn ist gewachster Polyester-Zwirn der Stärke Tex 60 bis Tex 80.
Pflege und Lebensdauer
Eine korrekt gepflegte Loden-Joppe übersteht 30 bis 50 Jahre. Reinigung erfolgt ausschließlich beim Trachten-Sattler oder bei spezialisierter Wollwäsche, niemals in der Haushalts-Waschmaschine. Zwischen den Reinigungen wird die Joppe gebürstet (Naturhaar-Bürste, in Faserrichtung) und gelüftet, dadurch löst sich Geruch ohne Waschgang.
Loden, der über zwanzig Jahre getragen wird, entwickelt eine sichtbare Patina an den Beug-Stellen (Ellbogen, Achseln). Diese ist nicht ausbesserbar und gehört zur Tracht-Geschichte des Trägers. Wer Loden kauft, kauft Material für das halbe Leben.